Werder züchtet Tomaten

Jetzt ist die Zeit, in der Gärtner Tomaten säen. Das geht auch in der Wohnung. Den Samen kann kann man sogar selbst gewinnen - aus samenfesten Tomatensorten

Foto: kie-ker / pixabay.com
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Draußen sein, die Sonne genießen, mit den Händen in der Erde wühlen - in diesen Zeiten schätzt sich der glücklich, der einen Garten oder wenigstens einen Balkon hat. Davon gibt es ja glücklicherweise viele in unserer schönen Stadt. Beim Schwätzchen am Gartenzaun aber bitte den gebotenen Abstand einhalten.

Unseren leidenschaftlichen Hobby-Gärtnerinnen und Gärtnern juckt es natürlich längst in den Fingern, vieles ist draußen schon längst getan oder vorbereitet. Bei einem Spaziergang zu den Schuffelgärten der Stadt hinter dem Lindowschen Haus beispielsweise kann man vorbildhafte Gärten bewundern.

Wir haben ein paar Tipps für alle, die dem Home-Office-Koller entfliehen möchten, mit den Kindern eine sinnvolle Beschäftigung suchen oder vielleicht wegen der Corona-Krise ein bisschen zum Selbstversorger werden möchten. Denn nicht nur im Garten oder auf dem Balkon, auch auf einer Fensterbank können viele essbare und vitaminspendende Pflanzen gedeihen.

Wie wäre es mit Tomaten?

Tomatenpflanzen gibt es bereits in den Gärtnereien unserer Stadt. Die zu den Beeren zählenden Nachtschattengewächse dürfen aber noch nicht ins Freie gepflanzt werden, da wartet man besser die Eisheiligen Mitte Mai ab. Wer also auf der sicheren Seite sein will, stellt die jetzt gekauften empfindlichen Jungpflanzen noch auf eine Fensterbank. Tipp: Tomaten-Pflanzen erst im Mai kaufen.

Wer die Tomaten dann auf dem Balkon ernten möchte, braucht große Kübel. Mindestens zehn Liter Erde sollte der fassen, sonst können die Tomaten nicht richtig wurzeln. Stichwort Starkzehrer: Tomaten brauchen gute Erde und guten Dünger. Dann klappt das mit der reichen Ernte auch im Kübel. Es gibt auch Sorten, die nicht ausgegeizt werden müssen. Der Kübel sollte sonnig und warm stehen, am besten auch geschützt vor Regen.

Bereits jetzt schon können Tomaten gesät werden!

Kindern macht das Aussäen bestimmt viel Freude. „DIY“, „Do it yourself“ oder deutsch „Mach es selbst“ ist dabei das Zauberwort in Sachen Nachhaltigkeit. In den ersten Tagen braucht der Samen noch kein Licht, doch spätestens nach einer Woche, wenn das erste Grün hervorlugt, brauchen die kleinen Pflanzen viel Helligkeit. 

Woher kommt der Samen? Aus samenfesten Tomatensorten kann man ihn selbst gewinnen. Aus der reifen aufgeschnittenen Tomate wird mit einem Löffel der Samen geholt. Wenn da noch ein bisschen Fruchtfleisch dran ist, macht das nichts. In einem mit Wasser gefüllten Glas löst sich das ab, ebenso wie die gallertartige Masse um den Samen herum.

Der auf den Boden gesunkene Samen kann nach zwei, drei Tagen unter laufendem Wasser ausgesiebt werden und wird dann auf Zeitungspapier zum Trocknen gelegt. Das dauert bis zu drei Wochen, dann ist der trockene Samen aber mehrere Jahre haltbar.

Allerdings sind die meisten Tomaten, die man kaufen kann, nicht samenfest, das heißt, sie geben die Eigenschaften der Mutterpflanze nicht weiter. Dann klappt oftmals die Vermehrung nicht oder es wachsen Pflanzen, die nicht tragen. Also: samenfeste Tomaten finden. Dazu kann man in der Nachbarschaft und im Freundeskreis fragen. Oder Samen kaufen.

Und das sagt Tomatenpapst Walter Kassin:

Der Tomaten-Papst unserer Stadt ist Walter Kassin. Der Ehren-Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins hat die von ihm seit Jahren gezüchtete Tomate - eine sehr große italienische Fleischtomate - schon am 20. März gesät und ist jetzt schon beim Pikieren, also beim Vereinzeln der Pflanzen. Bis zu zwei Kilogramm Gewicht bringen seine Früchte auf die Waage, mehrfach gewann er einen entsprechenden Wettbewerb des Vereins.

Er empfiehlt, Samen im Geltower Gartencenter oder im Havelpark Dallgow zu kaufen. Auch der Hagebaumarkt in Werder halte eine kleine Auswahl Samen bereit. Er freut sich oft noch im November über Ernteerfolge, berichtet Kassin, der sich seinerzeit schon als Meister in der GPG mit dem Tomatenanbau beschäftigte und dessen Vorfahren zu den Mitbegründern des Obstbau-Vereins in Werder gehörten.

Er würde sich freuen, wenn die Werderanerinnen und Werderaner sich noch mehr mit dem Thema Selbstversorgung beschäftigen würden. Nicht nur wegen der Corona-Krise.

Was passt am besten zu Tomaten? Basilikum!

Basilikum - vielseitig, duftend und beliebt - lässt sich ganz einfach durch Stecklinge vermehren. Dazu schneidet man einen etwa zehn Zentimeter langen Trieb ab. Die unteren Blätter sollten entfernt werden, sonst schimmeln die im Wasserglas.

Nach 14 Tagen sieht man schon die ersten Wurzeln, wenn sie kräftig genug sind, können die Stecklinge eingetopft werden. Die Erde sollte locker und durchlässig sein, eine spezielle Kräutererde kann, muss aber nicht verwendet werden. Wissen sollte man aber, dass Basilikum viele Nährstoffe benötigt.

Achtung: Basilikum braucht keine direkte Sonne und mag keine „nassen Füße“. Stecklinge können aus gekauften Pflanzen gezogen werden. Achtung: Gekauften Töpfen kann man zu Hause nur das Überleben sichern, wenn man die Pflanze umtopft. Am besten eine Pflanze in vier Teile teilen, die alte Erde entfernen und in frische Erde eintopfen. Die Triebe werden gekappt, damit fördert man Wachstum und Verzweigungen.

Basilikum sollte regelmäßig geschnitten werden, sonst blüht er, außerdem wächst er dann dichter. Auch Basilikum kann selbst gesät werden. Dafür einfach wieder eine Eierpappe mit Erde befüllen, den Basilikum-Samen oben drauf legen und nur leicht andrücken. Nicht mit Erde abdecken, denn Basilikum ist ein Lichtkeimer.

Viel Erfolg!

(Text: Ellen Fehlow)

Werder (Havel), 29.03.2020