Werder holt sich den Ausweis - für die Stadtbibliothek

Lauter gute Nachrichten für Lesefreunde: Die vorübergehende Schließung unserer Bibliothek muss niemanden vom Leihen und Lesen abhalten, im Gegenteil

Die gute Nachricht zuerst: Wer noch Bücher, DVDs, Zeitschriften, CDs oder Spiele aus der Stadtbibliothek Werder (Havel) zu Hause hat, kann sie problemlos verlängern. Mahngebühren wird es aber nicht geben. Die Rückgabebox ist derzeit ebenso wie die Bibliothek in der Brandenburger Straße geschlossen. Eine Ausleihe ist dort während der Schließzeit aufgrund der Corona-Pandemie nicht möglich. Voraussichtlich öffnet die Bibliothek wieder am 20. April 2020.

Auf ihr Lesevergnügen oder ihr Informationsbedürfnis müssen die rund 2400 Werderaner Inhaber eines Bibliotheksausweises dennoch nicht verzichten - und das ist die zweite gute Nachricht. Wie die Leiterin Birgit Mücke informiert, können Interessierte weiterhin die „Onleihe“ nutzen. „Voraussetzung dafür ist, dass man einen Bibliotheksausweis hat. Und den wollen wir für die Zeit der Schließung wegen der Corona-Pandemie kostenlos anbieten“, kündigt sie an.

Die „Onleihe“ wird gemeinsam über den Bibliotheksverbund des Landkreises Potsdam-Mittelmark organisiert. Das Portal stellt mehr als 10.000 digitale Medien wie eBooks, ePaper und eAudio zum Herunterladen zur Verfügung.

In den jetzt besucherfreien Räumen unserer Stadtbibliothek herrscht dennoch emsiges Treiben. „Wir haben viel zu tun, wir machen eine Bestandsrevision und sind damit wirklich vollauf beschäftigt“, berichtet Birgit Mücke. Die Mitarbeiterinnen nutzen jeweils einen Tag der Woche für die Arbeit zu Hause, ansonsten wird gezählt. „Bei der Bestandsrevision nehmen die Mitarbeiterinnen quasi alles einmal in die Hand: Wie war die Ausleihe in den letzten Jahren, wie ist der optische Zustand, ist es zerlesen? Sind alle in der Datenbank als verfügbar gekennzeichnete Medien tatsächlich im Regal?“, zählt sie die Aufgaben auf.

Immerhin gibt es insgesamt 26.000 Medien im Bestand - dazu gehören aber nicht nur Bücher, sondern auch DVDs, CDs, Spiele, Zeitschriften, Tonies und so weiter. Von den 26.000 Medien sind derzeit rund 7000 unterwegs in den Werderaner Haushalten. Das zeigt die Wichtigkeit und die Beliebtheit des über 100 Jahren alten Lese-Tempels der Blütenstadt. Und das bei Alt und Jung. „Wir sind natürlich für die gesamte Bevölkerung da, aber wir haben uns beispielsweise bei der Veranstaltungstätigkeit auf die Sprach- und Leseförderung der 3- bis Zwölfjährigen konzentriert“.

Wichtig sei, so Birgit Mücke, dass jeder versteht, was er liest: „Die frühkindliche Sprach- und Leseförderung ist das A und O.“ Es gebe natürlich auch einen großen Bestand an Romanen, Sachliteratur oder Hörbüchern für Erwachsene, aber sie habe festgestellt, dass es durch den Zuzug von vielen jungen Familien mit Kindern nach Werder eine klare Zielgruppe gibt. „Deshalb haben wir schon vor Jahren ein entsprechendes Bibliothekskonzept erstellt.“

Bestandteil dieses ambitionierten Konzeptes, das nicht nur die Leselust allgemein, sondern auch die Medienkompetenz befördern soll, sind viele Veranstaltungen, die auch in Zusammenarbeit mit den Kitas und Schulen der Stadt organisiert werden, für die Horte gibt es Ferienveranstaltungen. Aufgrund der Eindämmungsverordnung sind jedoch alle abgesagt.
„Wir hatten einen sehr vollen Veranstaltungs-Kalender, für jeden Tag in der Woche“, bedauert Birgit Mücke.

Dazu gehören Autoren-Lesungen, das Bilderbuchkino für Kinder ab drei Jahren, das Erzähltheater für Kinder ab zwei Jahren oder Bibliothekseinführungen für Erst- und Zweitklässler - die Veranstaltungen sind vielfältig gestaltet. Vorschulkinder können in der Bibliothek beispielsweise vor dem Schuleintritt innerhalb von vier Veranstaltungen in vier Wochen einen „Bibfit-Bibliotheksführerschein“ erwerben. „Wir erklären dabei, wie die Bibliothek funktioniert, was man hier machen kann, die Medienvielfalt, wie man ausleihen und verlängern kann“, erläutert Birgit Mücke. Nach einer kleinen Abschlussprüfung erhalten die künftigen Nutzer ihren ersten Bibliotheksausweis. Der ist für Kinder übrigens kostenfrei. „Zahlen muss man erst ab 18 Jahren.“

Zudem gebe es viele Ermäßigungen, beispielsweise für Nutzer in der Ausbildung oder im Studium. Auch Sozialhilfeempfänger können die Angebote kostenfrei nutzen. „Alle anderen zahlen eine Jahresgebühr von sechs Euro, Ehepaare zehn Euro pro Jahr.“ Der Einstieg ist jederzeit möglich. „Das ist sehr preiswert“, stellt Birgit Mücke fest. „Bibliotheken können sich nicht selbst tragen“, weiß sie. „Das geht einfach nicht, da müssten die Gebühren schon sehr hoch sein.“ Deshalb ist sie sehr froh, das die Bibliothek eine Einrichtung der Stadt Werder (Havel) ist. „Hier wird Bildung vermittelt, wir sind eine Kultureinrichtung, ein Treffpunkt für die Bewohner der Stadt. Insofern finde ich das gut, dass die Schwelle der Nutzung so niedrig gehalten werden kann.“ 

Neben der „Onleihe“ verweist Birgit Mücke auch auf „Genios“, das ist ein weiteres Portal, auf dem sich Erwachsene vielfältig informieren oder auch auf Facharbeiten oder Referate vorbereiten können. Auf „Genios“ findet man tagesaktuelle Artikel aus über 300 nationalen und internationalen Zeitungen und Zeitschriften, außerdem ein Pressearchiv ab 1983. „Und Freegal Music ist ein Musikstreaming-Dienst“, ergänzt sie. Der bietet laut einer Information des Landkreises Potsdam-Mittelmark den Zugang zu rund 11 Millionen Songs von über 28.000 Labels aus über 100 Ländern. Acht Stunden Musikgenuss pro Tag sowie fünf MP3-Downloads pro Woche sind möglich.

„Die Onleihe gehört wie Genios und Freegal Music zum Angebot des Landkreises Potsdam-Mittelmark“, verweist Birgit Mücke auf den Bibliotheksverbund, dem die Werderaner Bibliothek angehört. „Der Landkreis ist, was die Bibliotheken betrifft, auch vorbildlich. Wir erfahren sehr viel Unterstützung“.

Wer sich also umfangreich informieren möchte, sollte seinen Bibliotheksausweis jetzt schnell beantragen. Dazu sendet man das ausgefüllte Online-Anmeldeformular an die Mailadresse der Bibliothek Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! und erhält seinen Zugang. Für Fragen kann man anrufen unter Tel. (03327) 423 83

Auch wer sich um die Verlängerung seiner ausgeliehenen Medien kümmern möchte, kann sich telefonisch oder per E-Mail beim Team um Birgit Mücke melden. Aber: „Wir freuen uns schon jetzt auf die Zeit, wenn wir unsere Nutzer wieder hier begrüßen können."

(Text: Ellen Fehlow)

Werder (Havel), 8.04.2020