Jugend- und Familienzentrum in der Warteschleife

Im neuen Jugend- und Familienzentrum „Haus am See“ sind die Bauarbeiten fast abgeschlossen. Eine Eröffnung ist trotzdem noch nicht in Sicht

Der Workshopraum hat große Fenster zum Garten.

Die offene Jugendarbeit des Jugendhauses Werder läuft derzeit vor allem im Netz. Für facebook und Instagram haben die beiden Sozialarbeiter Carolin Sommerkorn und Nils Sahlmann zum Beispiel einen Videotipp gegen Langeweile, das „Bratpfannen-Esstischpingpong“, gepostet. Seitdem ein Flugblatt mit Handynummern verteilt wurde, gibt es immer mal wieder Anrufe von Jugendlichen, „denen zu Hause die Decke auf den Kopf fällt“, erzählt Carolin Sommerkorn.

Auch das Familienzentrum hat seine Arbeit aktuell ins Internet verlegt, mit der Wochenkiste werden beispielsweise Tipps für Familien, Mittags- und Vesperideen sowie Anregungen für die Tagesgestaltung vermittelt, berichtet Franziska Rauch vom Team des Familienzentrums.  Angebote wie der Geburtsvorbereitungskurs oder das Familien-Yoga für alle Generationen liefen nun virtuell. Es ist eine Zeit der Fernkontakte und der Improvisation. Die Mitarbeiter beider Einrichtungen freuen sich umso mehr auf die Zeit, wenn die Corona-Krise vorbei ist.

Denn im neuen Jugend- und Familienzentrum „Haus am See“ in der früheren „Alten Weberei“ wurde trotz Pandemie weiter gearbeitet, die Bauarbeiten sind kurz vor dem Abschluss. „Nach vielen Umzügen und Provisorien soll die Kinder-, Jugend- und Familienarbeit dort eine neue, zentrale Adresse bekommen“, sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Ulrike Paniccia. Auch wenn es dafür leider noch keinen Starttermin geben könne. 

Die neuen Arbeitsbedingungen für die soziale Arbeit können sich sehen lassen: Mit dem Café als Eingangsbereich, das ein Treffpunkt für alle Altersgruppen werden soll, dem Jugendhaus mit bunter Theke und dem Workshopraum für das Familienzentrum mit großen Fenstern zum Garten stehen drei jeweils mehr als 100 Quadratmeter große Bereiche zur Verfügung, erzählt Ulrike Paniccia.  Hinzu kommen ein spezieller Raum für Kleinkinder-Angebote, Sanitärbereiche, Büro- und Lagerflächen. „Nicht zu vergessen der schöne Garten direkt an der Havel.“ 

Die Stiftung JOB, die als Träger des Jugendhauses und des Familienzentrums auch Partner des „Hauses am See“ sein wird, hat ein Konzept bei der Sozial-Fachbereichsleiterin eingereicht. Von einem attraktiven Treffpunkt mit differenzierten Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien ist darin die Rede. Das bisherige Familienzentrum, das Jugendhaus, die mobile Jugendarbeit und die Sozialarbeit an Schulen könnten vom neuen Standort aus einer Hand koordiniert werden.  „Durch die Bündelung der Kompetenzen an einem Ort ergeben sich für die Zielgruppen Synergieeffekte in der Qualität, Vielfalt und Flexibilität der Angebote“, heißt es im Konzept. 

Zielgruppenübergreifende Projekte ermöglichten den Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien lückenlose Übergänge in einem offenen Haus. „Der neue Standort bietet insbesondere mit dem Café und dem Garten neue Möglichkeiten für Begegnungen und Kooperationen“, ergänzt Franziska Rauch vom Familienzentrum. Sie ist gespannt darauf, die Räumlichkeiten des „Hauses am See“ dafür zu erproben, auch wenn nun weiter gewartet werden muss. 

Die Jugendhaus-Mitarbeiter haben in ihren Bereichen schon die ersten Verschönerungen vorgenommen und zum Beispiel die alte Bar-Theke aufgehübscht. Sie könne sich vorstellen, dass ein Angebot wie beispielsweise ein Nähkurs im Café stattfindet und dann auch von Erwachsenen wie von Jugendlichen genutzt werden kann, sagt Carolin Sommerkorn. Auch auf die Synergien mit den benachbarten Sportvereinen sei sie gespannt. „Wir haben so lange auf den neuen Standort gewartet, da machen es die paar Wochen auch nicht mehr“, meint sie. 

Für Klaus-Dieter Bartsch, den Vorsitzenden des Stadtsportbundes, ist der Aspekt der Vereins-Kooperationen besonders interessant. Denn mit dem Tennisklub, dem Kegelverein, den Beachvolleyballern und dem Anglerverein gebe es in der nächsten Nachbarschaft viele Möglichkeiten des Austausches. „Vielleicht ist es für einige Jugendliche interessant, sich hier und da mal auszuprobieren. Und die Vereine freuen sich, ihre Jugendarbeit ausbauen zu können.“ Aber erstmal sei warten angesagt  – zurzeit seien auch die Sportanlagen gesperrt.

Bunte Theke im neuen Bereich des Jugendklubs. Foto: Stiftung JOB

Werder (Havel), 30.04.2020