Wer zwitschert denn da?

Zu hören ist sie zurzeit oft in Werder, zu sehen selten - die Nachtigall. Aber vielleicht lässt sie sich ja zur Stunde der Gartenvögel an diesem Wochenende blicken

Foto: Nachtigal_wal_172619_pixabay

Tüddelü, tüddelüüüü, trillili, pieppieppieppiep, drrrrrrrrrr, düdüdüdüdüdü, drrrrrrr, iiiiiiiiiit, iiiiiiiiiit, takk takk takk - da ist sie wieder, die Nachtigall! Alljährlich Anfang Mai verschönt sie
mit ihrem unvergleichlichen Gesang die Nächte vieler Werderanerinnen und Werderaner. Man meint, sie sitze direkt auf der Fensterbank, so laut schmettert sie bis Anfang Juni ihre Arien.

Die kraftvolle, oft stundenlang ausdauernde Stimme kommt dabei aus einem eher kleinen Körper - die Nachtigall ist gerade mal so groß wie ein Haussperling! Der Zugvogel kommt aus seinem afrikanischen Winterquartier und sucht mit seinem nächtlichen Geschmetter eine Partnerin für die Brut.

Das muldenförmige Nest aus Laub, Zweigen, gern Brennnesseln und Moos wird in verwilderten Ecken am Boden oder im flachen Gebüsch gebaut. Wieder ein Grund mehr, dem „Lazy-Gardening-Trend“ zu folgen und eine Ecke im Garten als Rückzugsraum für die Tierwelt sich selbst zu überlassen.

Traditionelle Brutplätze sind auch Laub- und Mischwälder wie unser Stadtwald sowie Friedhöfe und Parkanlagen - wenn sie naturnah gepflegt und nicht dem drastischen Ordnungswahn der Menschen zum Opfer fallen. Das bestätigt auch die Vogelschutz-Expertin Manuela Brecht vom NABU Naturschutzbund Brandenburg mit Sitz im Potsdamer Haus der Natur.

Den Gesang der Nachtigall kann man hier nachhören.

„Wichtig ist es, um unseren Vögeln ausreichend Nahrung und Unterschlupf zu bieten, dass man möglichst auch unberührte Ecken belässt. Das kann rund um den Kompost sein, oder aber auch für die ganz Mutigen, in dem man das Mähen des Rasens einstellt und einfach mal die Kräuter wie Taubnessel, Gänseblümchen oder Löwenzahn blühen lässt. Diese locken mit ihrem Pollen und Nektar Insekten an, die wiederum die Nahrung insbesondere für die Jungvögel bilden. Gern kann man auch samentragende Sorten säen, wie bspw. Borretsch, Leinsaat, Disteln, welche man über Winter stehen lässt, damit sich beispielsweise Grünfinken oder Stieglitz daran gütlich tun können“.

Und wie unser Werderaner Dr. Baldur Martin als Juryvorsitzender des städtischen Wettbewerbes „Blühende Gartenstadt“ wendet sich auch Manuela Brecht gegen die so genannten „Gärten des Grauens“ oder „tote Flächen“. Sie meint: „Verzichten sollte man unbedingt auf Rasenroboter. Durch die ständige Pflege sind diese Rasen ohne Blühaspekte und daher aus Naturschutzsicht ,Tote Flächen'." Eintönige Landschaften ohne Blütenvielfalt und der massenhafte Einsatz von Pestiziden führten zum dramatischen Insektensterben.

Tipps hat der NABU auch in seiner Kampagne „Gönn Dir Garten“ hier zusammengestellt

Aber zurück zu den Vogelstimmen: Da der vielstrophige Gesang so unverkennbar und die Nachtigall der einzige Vogel ist, der zwar nicht nur, aber hauptsächlich nachts zwitschert, ist sie
ein guter Einstieg in die Vogelstimmenkunde.

Zum Verwechseln ähnlich ist sie allerdings ihrem nahen Verwandten, dem Sprosser. Bei dieser Zwillingsart muss man schon genau hinschauen, um Unterschiede wahrzunehmen. Der Sprosser singt auch sehr schön, meist aber langsamer und wie die Fachwelt bemerkt, ohne die „Schluchzer“ der Nachtigall. 

Wie Manuela Brecht weiß, sind die Vogelstimmen vielfach etwas für Frühaufsteher: „Gerade zu Beginn der Brutzeit sind besonders in den frühen Morgenstunden ab ca. 5 Uhr die Aktivitäten der balzenden und singenden Männchen am Besten zu hören und die Tiere in den noch etwas kahlen Baumwipfeln zu entdecken."

Ihr Tipp: Der NABU bietet Naturfreunden eine tolle App an. Über 1.000 freigestellte Fotos von 308 Arten in ihren typischen Federkleidern machen diese App wertvoll. Wichtigste Funktionen sind Bestimmen, Vergleichen und Melden. Vogelstimmen und Videos können zur kostenlosen Basisversion hinzugekauft werden. Die Erlöse der In-App-Käufe gehen an Nabu-Vogelschutzprojekte und die Weiterentwicklung der App. Erhältlich ist die App für iOS und Android.

Den aktuellen Vogel des Jahres kann man bei uns eher nicht entdecken. „Der Vogel dieses Jahres ist die Turteltaube“, informiert Manuela Brecht. „Leider findet man diesen Vogel in Brandenburg nicht mehr häufig, dementsprechend ist es sehr schwierig, ihn zu beobachten oder zu hören. Da Turteltauben den Winter gewöhnlich im wärmeren Süden verbringen, sind sie erst. Anfang Mai in Brandenburg zu beobachten, zum Beispiel. in der Reicherskreuzer Heide.“

Wer sich für die Turteltaube interessiert, findet hier weitere Informationen.

Um sich auf den Vogelstimmen-Spaziergang durch Werder vorzubereiten und unsere Vogelwelt besser kennenzulernen, bietet der NABU ein eigenes Lernprogramm an. Spielerisch und interaktiv lädt das E-Learning-Tool „Vogeltrainer“ dazu ein, 30 häufige Winter- und Gartenvögel kennenzulernen. Quizfragen und Bilderrätsel sorgen für viel Abwechslung beim Lernen.

Unter www.vogeltrainer.de kann sich jeder fit machen. Und wenn man dann weiß, dass die Kohlmeise beispielsweise so zwitschert, die Amsel so melodisch flötet oder der Star so singt, dann macht das auch Kindern viel Spaß, die Vogelwelt der Heimat zu entdecken. Dass das auch tagsüber geht, erlebt man bei einem Spaziergang - natürlich auf Abstand - durch den Stadtwald oder um den Plessower See, durch die Randgebiete der Havelauen und des Strengfelds und natürlich in unseren schönen naturnahen Ortsteilen.

(Text: Ellen Fehlow)

 

Werder (Havel), 7.05.2020