Ärzte sagen Dankeschön

Mit der Anlaufstelle für Atemwegserkrankte wird in Werder zur Bewältigung der Corona-Pandemie beigetragen. Ein Dankeschön von Beteiligten an Beteiligte

Foto: Martin Karnbach

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat vor einigen Tagen die Aktion #IhreAbwehrkräfte gestartet. Damit soll gezeigt werden, wie Vertragsärzte und ihre Praxisteams, Psychotherapeuten und Kassenärztliche Vereinigungen zur Bewältigung der Corona-Pandemie beitragen. Die Ärzteschaft der Anlaufstelle für Atemwegserkrankte in Werder beteiligt sich an der Aktion. Einige der 16 Ärzte haben in diesem Zusammenhang ein „großes Dankeschön“ verfasst:

Acht Wochen sind nun vergangen, seitdem die Corona-Pandemie auch in Werder (Havel) erste Auswirkungen zeigte. Nach einem Brief der Kassenärztlichen Vereinigung zum Thema Abstrichstellen hatten sich Vertreter der Stadt Werder (Havel) und eine Handvoll Ärzte aus der Region Werder beratschlagt, wie man für die nächsten Wochen der Infektionswelle entgegentreten kann - mit dem größtmöglichen Schutz für alle. Eine Anlaufstelle für Atemwegserkrankte wurde eröffnet. Acht Wochen später ist es Zeit, einmal Danke zu sagen von uns Hausärzten.

  • DANKE für die von Anfang an sehr konstruktive und vor allem unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stadt. „Wenn ein Problem auftrat, dann war es kurze Zeit später schon sehr unkompliziert und zu unserer größten Zufriedenheit gelöst“, sagt die Göhlsdorfer Allgemeinmedizinerin Katja Klemm. „Die Stadtväter haben uns in jeder Hinsicht immer zur Seite gestanden. Mit Rat und Tat und auch nicht zu vergessen mit erheblichen Geldmitteln, um notwendige Schutzmaterialien für die Arbeit in der Turnhalle zu besorgen.“
  • DANKE für den unermüdlichen Einsatz der Stadtverwaltung, trotz knapper Ressourcen immer noch wieder Quellen für Masken, Kittel und Desinfektion aufzutun. „Als Regionalbeirätin in der Kassenärztlichen Vereinigung  Brandenburg weiß ich von deren enormen Anstrengungen hinter den Kulissen. Aber die Erfolge in der Beschaffung von Schutzausrüstung waren dennoch begrenzt“, sagt Dr. Christine Falk, Allgemeinmedizinerin aus Werder. „Ohne die Hilfe unserer Stadtverwaltung hätten wir schutzlos arbeiten müssen. Unsere Stadt ist mit ihrem Engagement ein absoluter Ausnahmefall.“
  • DANKEN möchten wir auch den freiwilligen Helfern in der Turnhalle. „Es sind sehr gemischte Teams aus Erziehern, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und auch freigestellten Mitarbeitern aus Bereichen des Gesundheitssystems, die uns die Arbeit unter den erschwerten Bedingungen einer Turnhalle erleichtert haben und erleichtern“, sagt der Glindower Internist Jan Hammann. „Nach einer kurzen Einarbeitung funktionierte die Triage am Eingang wunderbar. Außerdem haben gerade die nichtmedizinischen Mitarbeiter mit besonderem Elan und Eifer aber auch Herzblut und Fröhlichkeit einen großen Anteil zum Gelingen dieses Projektes beigetragen.“
  • DANKE möchten wir allen Bewohnern unserer Stadt sagen, die das auch für alle ungewöhnliche und einzigartige Projekt „Turnhalle“ mittragen. „Sie haben mit viel Verständnis diese Anlaufstelle aufgesucht und angenommen“, sagt der Werderaner Allgemeinmediziner Dr. Oliver Simsch. „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Und durch diese besondere Maßnahme ist es uns gelungen, dass keine Arztpraxis krankheitsbedingt schließen musste. Das Praxispersonal konnte so vor einer Ansteckung mit COVID19 bisher bewahrt werden.  Und es ist uns gelungen, die nicht infektkranken chronisch kranken Patienten zu schützen. Patienten konnten und können ohne Angst die Arztpraxen aufsuchen.“
  • DANKEN möchten wir auch unseren ärztlichen Kollegen und unseren Praxismitarbeitern. „Viele haben uns mit Engagement und ohne Zögern unterstützt und diesem Projekt zum Leben verholfen“, sagt der Werderaner Allgemeinmediziner Jens Drews. „Ohne die breite ärztliche Unterstützung wäre ein wochenlanger Betrieb  der Anlaufstelle nicht möglich. Und was wären wir ohne unsere tatkräftigen medizinischen Fachangestellten und Mitarbeitern. Diese haben sich selbstverständlich genauso in den direkten Kontakt zu den möglich oder tatsächlich Erkrankten begeben.“

Wir können nicht sagen, wie viele Erkrankungen wir mit unserem Projekt verhindert haben. Aber dank der Anlaufstelle hat sich bislang kein Werderaner in seiner Hausarztpraxis mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Viele Werderaner haben sich verantwortungsvoll verhalten und tun das gerade auch jetzt in einer Zeit der Lockerungen. Dennoch ist Werder Hotspot. Das Virus ist in der Stadt, bedingt vor allem durch die Ausbrüche in den Altersheimen, durch Bewohner und Beschäftigte, aber auch durch in Werder lebendes Krankenhauspersonal. Vorsicht und die Vermeidung von Kontakten ist in der Pandemie deshalb weiterhin zwingend geboten.  

Trotz aller Erkrankten und trotz der leider auch Verstorbenen wollen wir auch über einen kleinen Erfolg reden: Die Anlaufstelle für Atemwegserkrankte als gemeinsame Initiative der Ärzteschaft und der Stadt ist ein Erfolg. Allein schafft in einer Krise niemand etwas. Es ist ein Erfolg von Vielen. Nur zusammen können wir in der Pandemie etwas erreichen. Und wir haben hier in Werder etwas Besonderes erreicht. So besonders, dass wir von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung für eine bundesweise Kampagne angenommen wurden, die den tatkräftigen Helfern in der Krise ein Gesicht geben will: #IhreAbwehrkräfte.

Für diese Kampagne haben wir am letzten Wochenende ein kleines Fotoshooting vor der Turnhalle gehabt, mit breiter Beteiligung aller Helfer. Nun warten wir auf die Veröffentlichung in den Sozialen Netzwerken in den nächsten Tagen. Wir sind gespannt. Das ist eine Anerkennung einer Leistung, die nur mit gemeinsamem Einsatz möglich wurde. Und deshalb ist unser Anliegen heute: Einfach mal Danke sagen.

Von der Anlaufstelle für Atemwegserkrankte in Werder (Havel):
Jens Drews, Allgemeinmediziner
Dr. Christine Falk, Allgemeinmedizin
Jan Hammann, Internist
Katja Klemm, Allgemeinmedizinerin
Dr. Oliver Simsch, Allgemeinmediziner

Werder (Havel), 13.05.2020