Zu Gast in der Tourist-Information: Markus Weidling

Interessierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind an diesem Wochenende eingeladen, Werders Pfadfinder kennenzulernen.

Bild: Markus Weidling. Foto: low
Bild: Markus Weidling. Foto: low

Markus Weidling ist nicht der erste Pfadfinder, der den Weg in unsere Tourist-Information gefunden hat. Wie versorgten schon einige Gruppen mit Stadtplänen und Informationen zur Region. Einen Stadtplan brauchte Markus Weidling allerdings nicht – er ist seit vier Jahren Bewohner unserer schönen Stadt.

Aber er ist selbst seit rund 30 Jahren Pfadfinder und informierte uns darüber, dass es an diesem Wochenende, am 22. und 23. Oktober 2021, ein Kennenlern-Abenteuer im Gemeindegarten Glindow in der Dorfstraße 45 geben wird. Das ist eine tolle Möglichkeit, die neue Pfadfindergruppe der Blütenstadt kennenzulernen. Um 12 Uhr geht’s am Samstag los. Da gibt es jede Menge Spannendes zu entdecken.

„Wir werden unter anderem basteln, spielen, ein so genanntes Schwarzes Zelt bauen, auf dem Lagerfeuer kochen und gemeinsam singen“, erklärt Markus Weidling. Wer Lust hat, kann sogar in den Zelten übernachten. „Iso-Matte und Schlafsack sollten dann mitgebracht werden.“ Sollten unter unseren Gästen in der Stadt und den Ortsteilen Pfadfinder sein, sind sie natürlich auch eingeladen.

Beschäftigt man sich mit dem Thema Pfadfinder, kann man schnell feststellen, dass es hier bei uns in der Region, in der Landeshauptstadt und überhaupt in Brandenburg, dem gesamten Bundesgebiet und natürlich weltweit viele Pfadfinderinnen und Pfadfinder gibt. Und je öfter man das Wort sagt oder schreibt, umso mehr eröffnet sich der Inhalt des Wortes. Denn es geht im Wortsinn darum, dass die Kinder und Jugendlichen einen, ihren Pfad finden. Das betrifft vielleicht die Ausfahrt, auf der sich die Gruppe gerade befindet, das gilt aber auch für das Leben.

Markus Weidling stammt aus dem Harz, studierte in Berlin und ist schon viel in der Welt herumgekommen – auch als Pfadfinder. „Pfadfinder zu sein, ist ein Virus, eine Gemeinschaft ein Leben lang“, ist sich Weidling sicher und strahlt das auch aus. Wenn er darüber spricht, überträgt sich die Begeisterung. Die hat er übrigens in seiner Familie längst verankert. Seine beiden Töchter drängten ihn, auch in der neuen Heimatstadt Werder die Pfadfinder-Idee unter die Leute zu bringen.

Pfadfinder würden immer auch für ihr späteres Leben lernen, sagt Weidling. Kreativität, Naturschutz, Teamfähigkeit, Hilfsbereitschaft, interkulturelle Kompetenz oder die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen. Schlüsselqualifikationen nennt man das – und die sind eine gute Hilfestellung im privaten, beruflichen und gesellschaftlichen Leben.

Viele Klischees aus Filmen oder sogar Vorurteile sollen bei dem Kennlern-Abenteuer in Glindow ausgeräumt werden. So können sich beispielsweise in einem so genannten Pfadfinderstamm Kinder und Jugendliche treffen, egal, ob sie einer Konfession angehören oder nicht. „Ob Christ, Moslem oder konfessionslos – da sind alle willkommen“, so Weidling. Denn weltoffene Vielfalt ist auch hier ein Vorteil, Freundschaft und Zusammenhalt sind wichtige Punkte bei den Pfadfindern.

Und wer an Pionierhalstuch und FDJ-Hemd denkt, wenn er die Pfadfinderkleidung sieht, kann auch aufatmen: Die Kluft – wie sie bei den Pfadis heißt, ist keine Pflichtkleidung. Viele tragen sie aber einfach gern und nutzen natürlich auch den traditionellen Gruß, bei dem drei Finger der Hand nach oben gestreckt werden, der Daumen liegt auf dem kleinen Finger. Übertragen heißt das, dass der Stärkere den Schwächeren schützt.

Einmal wöchentlich gibt es die Treffs, bei den je nach Altersstufe gebastelt wird, die Pläne für künftige Ausflüge werden geschmiedet oder andere Aktionen vorbereitet. Pfadis sind gern und oft in Gemeinschaft in der freien Natur, genießen die Freiheit, erleben Abenteuer, haben es gelernt, das Schwarze Zelt aus lediglich vier Planen und einer Stange aufzubauen, sie können schnell ein Feuer anzünden, wissen immer, wo Norden ist - alles Tugenden, von denen Kinder und Jugendliche nur profitieren können.

Das Smartphone braucht man in den wenigsten Fällen – ein Punkt, der vielen Eltern gefallen wird. Nach dem ausführlichen Gespräch mit Markus Weidling könnten wir noch sehr viel mehr über die Pfadfinder erzählen – leichter ist es für Interessierte, sich an diesem Wochenende selbst ein Bild zu machen und vielleicht selbst einer zu werden. Ein letzter Satz von Markus Weidling: „Pfadfinden bedeutet ausprobieren, nicht können“.

Hintergrund

Die Pfadfinderbewegung wurde 1907 in England von Lord Robert Baden-Powell gegründet und kam 1911 nach Deutschland. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es vier Pfadfinder- und Pfadfinderinnenverbände, die den Weltorganisationen angehören: dem Weltverband der Pfadfinderinnen WAGGGS (World Association of Girl Guides and Girl Scouts) mit etwa 10 Millionen Mitgliedern und der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung WOSM (World Organization of the Scout Movement) mit über 50 Millionen aktiven Mitgliedern weltweit. Damit ist die Pfadfinderei die größte Jugendbewegung der Welt.

Werder (Havel), 22.10.2021