Ganz nah am Menschen

Zum 85. Geburtstag des bekannten Berliner Künstlers Ernst Leonhardt wird in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss eine Auswahl seiner Werke gezeigt

Foto: KUNST-GESCHOSS Promo
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Ernst Leonhardt (*1935 in Berlin) ist Teil der Berliner Künstlerszene, die sich in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Westteil der Stadt etablierte. Er gehört zu den ruhigen und ausdauernd Schaffenden, die nicht durch reißerische Inhalte und fixe Ideen einen zu meist kurzlebigen Platz im Mainstream der Kunstwelt erhaschen wollten.

Die anhaltende Konsequenz seiner Arbeit spiegelt sich im vielfältigen Werksumfang des Künstlers wieder. Er beherrscht den Part der klassischen Malerei genau so wie die Grafik in ihren mannigfaltigen Möglichkeiten bis hin zur Druckgrafik in allen technischen Facetten. Im angewandten Bereich besticht Ernst Leonhardt mit seinen plastischen Arbeiten. Auch hier hat er seinen ganz persönlichen Darstellungsstil entwickelt, Ausdrucksstärke paart sich mit graziler Leichtigkeit.

Sein wohl bekanntestes Werk ist „Der Tänzer“, ein auf einem Bein stehender, tanzender und rundlicher Mann, der durch seine plastische Bewegung eine unwahrscheinliche Leichtigkeit ausdrückt. Diese Bronzeplastik wird seit 1991 als „B.Z.-Kulturpreis“ den Preisträgern ausgehändigt.

Der Künstler gibt dem Individuum seinen ganz persönlichen Auftritt. Seine Farb- und Formgebung und seine ganz eigene Darstellung des Menschen erschließen sich schnell und erzeugen sofort positive Gefühle beim Rezipienten, die expressive Formgebung und die frische Farbpalette sind wesentliche Voraussetzung dafür. Seine figürlichen Darstellungen sind immer ganz nah am Menschen und wirken gerade durch die Trivialität der Szenerie identifizierend menschlich.

Wer die Ausstellungen in der Stadtgalerie KUNST-GESCHOSS ausdauernd verfolgt, wird sich an Ernst Leonhardt erinnern können. Der Künstler war 2009 bei der Ausstellung „Blick zurück nach vorn“ einer von fünf Künstlern aus dem „Westen“, die zusammen mit fünf Künstlern aus dem „Osten“ die Zeit des Mauerfalls mit je zwei Werken („Nächtliche Grenze“ und „Grenzübergangsstelle“) künstlerisch reflektierten.

Für Ernst Leonhardt, der die tägliche künstlerische Arbeit wie die Luft zum Atmen braucht, kam es 2019 mit der Kündigung seines 140 qm großen Atelierbereiches in der alten Weddinger AEG-Zentrale zu einem fatalen Einschnitt. Ende Juni 2020 war alles beräumt und in einem Depot eingelagert. Eigentlich wollte Ernst Leonhardt seinen 85. Geburtstag im Atelier, dem unmittelbarsten Entstehungsort seiner Werke feiern.

Nun ist alles anders gekommen und wir freuen uns, in der Stadtgalerie KUNST-GESCHOSS eine Auswahl seiner Werke zu seinem 85. Geburtstag zeigen zu können.

Fotobeschreibung:
„Baumblüte“, 2005, Öl auf Leinwand 130x180 cm
„Flüchtender“, 1992, Bronze

  • 1935 in Berlin geboren
  • Studium an der Meisterschule für das Kunsthandwerk
  • 1955-58 Bühnenmaler bei der UFA in Tempelhof
  • seit 1958 freischaffend als Bildhauer, Maler und Grafiker und Gestaltung angewandter baugebundener Arbeiten
  • 1973-75 Lehrauftrag an der HdK Berlin
  • 1976 Lehrauftrag an der Pädagogischen Hochschule in Berlin
  • 1984 Gastprofessur an der HdK Berlin
  • 1986 Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Maler vor Ort“
  • 1981-90 Vorsitzender der Freien Berliner Kunstausstellung e.V., nachdem Ehrenvorsitz
  • 1986-94 Vorsitzender des Vereins Berliner Künstler
  • 1991 Gestaltung des Kulturpreises der B.Z.
  • 1997 ARAG Kunstpreisträger
Ernst Leonhardt lebt und arbeitet in Berlin. Regelmäßige Beteiligung an Ausstellungen und Einzelausstellungen im In- und Ausland, sowie Teilnahme an verschiedenen Gemeinschaftsausstellungen.
Foto: KUNST-GESCHOSS Promo
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Werder (Havel), 16.09.2020