Chance für Quereinsteiger

Erfolgsbilanz für ein Projekt zur tätigkeitsbegleitendenden Erzieherausbildung der Stadt. Zeitgleich begann ein neuer Ausbildungsgang am OSZ

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx
Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Die Stadt Werder (Havel) hat am Dienstag zu einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Oberstufenzentrum Werder (Havel) eingeladen. Es gibt einerseits um ein besonderes Quereinsteigerprojekt für die Erzieherausbildung, das Werders Stadtverordnete vor zweieinhalb Jahren auf den Weg gebracht haben. Andererseits ging es um den Beginn der tätigkeitsbegleitenden Erzieherausbildung im OSZ, der mit diesem Zeitpunkt zusammenfiel.

Bürgermeisterin Manuela Saß erklärte, was die Stadtverordneten zu dem Ausbildungsprojekt bewogen hatte: Seit 2012 wurden in kommunalen Kitas durch Neubau und Erweiterung 269 neue Kitaplätze geschaffen, eine ähnliche Zahl zusätzlicher Plätze entstand in diesem Zeitraum bei Freien Trägern. „Die personelle Besetzung und Nachwuchsbildung für unsere Einrichtungen wurde immer schwieriger, da waren gute Ideen gefragt.“

Mit einer klassischen Berufsausbildung im dualen System ist die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher nicht vergleichbar. Neben der Vollzeitausbildung, bei der an den Einrichtungen lediglich Praktika absolviert werden, besteht in Brandenburg beispielsweise die Möglichkeit einer sogenannten tätigkeitsbegleitenden Ausbildung, die der dualen Ausbildung ähnelt. Die Erzieher werden für drei Tage in der Woche Teilzeitbeschäftigte einer Kita und absolvieren in den verbleibenden zwei Tagen ihre Ausbildung.

Laut Kitagesetz muss das Land die Personalkosten von Kitas zu etwa 86 Prozent finanzieren. „Die auszubildenden Quereinsteiger werden dabei aber fast wie Profis behandelt und zu 70 Prozent auf den Personalschlüssel angerechnet“, so Manuela Saß.  Das könne die Qualität der Ausbildung und der Kindebetreuung beeinträchtigen. „Deshalb haben die Stadtverordneten entschieden, die Personalkosten der tätigkeitsbegleitenden Ausbildung für jährlich fünf Quereinsteiger zu übernehmen.“ Pro Jahrgang koste das rund 200.000 Euro.

Das Projekt läuft zunächst für drei Jahre, nach den guten Erfahrungen in den Einrichtungen will die Stadt aber voraussichtlich eine Verlängerung vorschlagen.  Manuela Saß: „Die Einrichtungen sind durchweg begeistert, da Kollegen Lebenserfahrungen aus anderen Berufen mitbringen und sehr motiviert sind. Wir hoffen, dass sie die Ausbildung erfolgreich abschließen und wir sie übernehmen können.“

Neun der zehn am Projekt beteiligten Azubis absolvieren den theoretischen Teil im OSZ, eine bei der Hoffbauerstiftung. OSZ-Leiterin Anke Beiler erläuterte, dass es sich um eine Fachschulausbildung handelt, die sich über drei Jahre erstreckt. „Voraussetzung ist eine abgeschlossene einschlägige Berufsausbildung oder eine abgeschlossene nichteinschlägige Berufsausbildung und eine für die Fachrichtung förderliche Tätigkeit.“

In den 18 und 17 Schülern der beiden ersten OSZ-Ausbildungsklassen seien auch Quereinsteiger, die in anderen kommunalen Kitas der Region beschäftigt sind. Dass wie in Werder die Kommune die Auszubildenden bezahlt und damit Ausbildungsspielräume und Personalstärke an den Kitas stärkt, sei aber eine Besonderheit.  

Gäste der Pressekonferenz waren die 32-jährige Melanie Sandow und die 40-jährige Diana Zimmer (Foto). Für beide war das Quereinsteigerprojekt eine Chance, sich beruflich neu zu orientieren. Dass dies auch noch in ihrem Heimatort Werder und mit einer Teilzeitanstellung möglich war, bestärkte sie in dem Wunsch. Beide würden nach der Ausbildung gern weiter bei einer kommunalen Kinderbetreuungseinrichtung arbeiten. Bürgermeisterin Saß sieht bei einem erfolgreichen Abschluss dafür gute Chancen.

Werder (Havel), 30.09.2020