„Gott zur Ehr, den Nächsten zur Wehr“

Werders Freiwillige Feuerwehr ist heute vor 130 Jahren gegründet worden. Bürgermeisterin Manuela Saß gratuliert zum Jubiläum

Foto: Sammlung Erhard Schulz
Foto: Sammlung Erhard Schulz

„Das erste Augenmerk liegt auf der Menschenrettung“; „Auf gefährlichen Posten soll nie ein einzelner Feuerwehrmann gestellt werden.“; „Nüchternheit ist die erste Tugend des Feuerwehrmanns.“ Die Sätze stammen aus dem ersten „Grundgesetz der Freiwilligen Feuerwehr zu Werder (Havel)". 1890 wurde sie  gegründet und feiert heute ihr 130. Jubiläum.

Schon einige Jahre zuvor hatte es Bemühungen des städtischen Turnvereins gegeben, eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen. Damals wurden Bürger zum Dienst bei der Feuerwehr zwangsverpflichtet. Nicht alle mögen bei den Einsätzen besonders motiviert gewesen sein. Das sollte sich mit der Einsatzbereitschaft der ersten ehrenamtlichen Mannschaft gründlich und bis in die Gegenwart ändern.

Der Heimatforscher Erhard Schulz hat sich in unserer Werder-Chronik ausführlich mit der Geschichte der Werderaner Freiwilligen Feuerwehr befasst. Aus seiner Sammlung stammt auch das älteste erhaltene Bild: 25 Herren mit Pickelhauben und Ziegelbrechern behelmt sind darauf in drei Reihen zu sehen, einige mit Äxten, Werkzeugen und Petroleumfackeln in der Hand.

Es lohnt sich, das Bild genauer zu betrachten: Die Herren sind um einen Spritzenwagen und einen Wasserwagen gruppiert. Zwei Feuerwehrleute haben Leitern erklommen, die die Szene rechts und links flankieren.  In der Bildmitte steht ein Herr, der als einziger keine ein- sondern eine zweireihige Uniformjacke trägt. Es könnte sich um den ersten Wehrführer, Schornsteinfegermeister Fritz Gleining (sen.), handeln.

Der Wahlspruch der Feuerwehren darf im Hintergrund nicht fehlen: „Gott zur Ehr, den Nächsten zur Wehr“. Die Ausstattung war am Anfang recht überschaubar und auf dem Bild vermutlich komplett ausgestellt. Nach einer amtlichen Revisionen im Jahr 1902 wurde nachgerüstet und u.a. eine moderne und fahrbare Handdruckspritze mit zehn Sitzplätzen und eine 15 Meter hohe Schiebeleiter angeschafft, die 1722 Mark gekostet hat.

Ähnliche Fotos sind im Laufe der Jahrzehnte immer wieder entstanden. Gerade wenn es Neuanschaffungen gab, wie zuletzt vor einigen Tagen mit Mitgliedern der Feuerwehrführung bei der Indienstellung eines neuen vollautomatischen Drehleiterfahrzeuges mit Korb. Der Leiterpark reicht 30 Meter hoch, selbst aus Siebengeschossern können damit noch Menschen gerettet werden. Es hat sich einiges getan bei der Feuerwehrtechnik.

Das gilt auch für die Preise: Das Drehleiterfahrzeug hat gut 700.000 Euro gekostet. Das ist der höchste Einzelbetrag, der jemals in die Technik der Werderaner Feuerwehr investiert wurde. Die Summe und viele weitere Investitionen dieses Jahres zeigen, wie wichtig es der Stadt heute ist, dass Werders Feuerwehren mit modernster Ausrüstung und Fahrzeugtechnik zum Einsatz fahren können.

Mit 130 Jahren gehört Werders Feuerwehr zu den ältesten Einrichtungen unserer Stadt - und zugleich zu den unentbehrlichsten. Unsere Freiwilligen Feuerwehrleute stehen tagtäglich bereit, um für unsere Sicherheit zu sorgen, ob bei schweren Unfällen auf der A10, Hilfeleistungen, Bootsunfällen, Unwetter-Havarien oder Bränden. Sie nutzen ihre Freizeit, um die Gesundheit und das Leben von Menschen zu retten.

Zum Jubiläum möchte ich ganz herzlich gratulieren und meinen Respekt aussprechen. Ich möchte mich bei den Feuerwehrfrauen und -männern aber auch beim Feuerwehrnachwuchs und den angeschlossenen Familien und Förderern bedanken, ohne die dieses Engagement nicht möglich wäre. Und ich freue mich darauf, den 130. Geburtstag im nächsten Jahr gebührend nachfeiern zu können.

Manuela Saß, Bürgermeisterin

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx
Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Werder (Havel), 2.12.2020