Für jedes Jahr 10 Euro

Scheckübergabe und Glückwünsche der Bürgermeisterin zur 60. Session des KCW

Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx
Foto: Stadt Werder (Havel) / hkx

Für jedes Jahr 10 Euro, das Corona-Jahr macht da keine Ausnahme: Bürgermeisterin Manuela Saß hat dem Präsidenten der Karnevalsclubs Werder, Karsten Möwes, anlässlich der 60. Session einen Scheck über 600 Euro überreicht. Mit den folgenden Worten beglückwünscht sie Werders Karnevalisten zum Jubiläum:

„Der Karnevalsverein Werder geht in diesem Jahr in seine 60. Session. Am 11.11.1961 wurde erstmals ein Elferrat im Rathaus empfangen. In der Friedrichshöhe fand am selben Abend vor 280 Zuschauern die Proklamation statt. Der Karneval sollte sich schnell zu einer der wichtigen Traditionen der Blütenstadt entwickeln. Die Chancen, eine Karte zu ergattern, standen in manchen Jahren bisweilen bei 1 zu 3. Im Vorverkauf gab es lange Schlangen. Der KCW wurde für Betriebsfeste gebucht und einmal soll die Notenbank der DDR 6000 Mark für einen Abend hingeblättert haben.

Kein Wunder, wurden bei den Karnevalsveranstaltungen doch häufig die Spielräume ausgereizt und manchmal überschritten, um die Partei- und Staatsführung des Arbeiter- und Bauernstaates DDR aufs Korn zu nehmen. So gab es in den 70er-Jahren den Gag, dass der Papst in die DDR kommen will, damit die Preise nicht in den Himmel steigen. Der Brotpreis war seinerzeit von 58 auf 74 Pfennig erhöht worden. Nachdem der Bauzustand der Friedrichshöhe sich zusehends verschlechterte, marschierte der Elferrat in der 27. Saison mit Bauarbeiterhelmen ein.

Schon 1961 benannte der Elferrat „Minister für Schlaglöcher“, die Frauengesangsgruppe nannte sich Mischobst - nach einer DDR-Konserve, in der sich zwischen Pflaumen, Äpfeln und Birnen ganz selten mal ein Pfirsich versteckte. Unvergessen auch der Bühnendialog aus der Saison 1987 mit Bezug auf den Alterschnitt des Politbüros. Auf die Aussage, dass Rentner wegen einer Rentenerhöhung nicht mehr dazu verdienen dürften, kam die Frage: „Und wer regiert uns dann?“ Wenn es am Morgen nach einer Karnevalsveranstaltung bei den Büttenrednern an der Tür klopfte, gab es nicht unberechtigte Ängste, dass es die Stasi sein könnte.

Für ihre halsbrecherischen Schoten wurden die Karnevalisten von den Werderanern geliebt – und werden es bis heute. Selbst die Wendejahre konnten dem KCW nichts anhaben und im Februar 1995 wurde die Friedrichshöhe erstmals Schauplatz der ORB-Show „Hier steppt der Adler“. Ministerpräsident Manfred Stolpe machte als Büttenredner die Stadt Werder zur „schwarzen Insel im roten Meer“. Und als der KCW im September 1996 eine Tagung des „Bundes Deutscher Karneval“ ausrichtete und die Prinzengarde den Nonnentanz brachte, war das ein handfester Skandal.

Ich will nicht verhehlen, dass auch die Stadtverwaltung  die eine oder andere Kröte vom KCW zu schlucken hatte. In diesem Jubiläumsjahr werden wir natürlich großzügig darüber hinwegschauen und mit einem Augenzwinkern die Vergangenheit ruhen lassen. Ich wünsche Werders Karnevalisten alles Gute zum Jubiläum, bleiben Sie gesund und  nutzen sie die Corona-Zeit zum Dichten, Texten und Komponieren. Schon jetzt freue ich darauf, das Jubiläum mit Ihnen im kommenden Jahr nachfeiern zu dürfen.  

Ihre Manuela Saß, Bürgermeisterin“

 

Werder (Havel), 9.12.2020