Christian Morgenstern Literaturmuseum

Im Aussichts - und Museumsturm der Bismarckhöhe erinnert das „Christian Morgenstern Literaturmuseum“ an den Entstehungsort der berühmten Galgenlieder

Morgenstern Literaturmuseum

Die „Galgenlieder“ wurden sein größter Erfolg, obwohl Christian Morgenstern sie anfangs nicht veröffentlichen wollte. Der Dichter deklamierte sie in feuchtfröhlichen Runden erstmals auf dem „Galgenberg“ in Werder (Havel). Heute gibt es dort im Aussichtsturm der Bismarckhöhe das europaweit einzige Christian Morgenstern-Literaturmuseum.

Jaguar, Zebra, Nerz – und einst im Mandrill 1895 und später immer wieder traf sich der damals Mittzwanziger Morgenstern mit seinen Freunden in der kleinen Havelstadt, um zu zechen und sich selbst mit mal absurder Wortakrobatik, mal mit tiefsinnig verschwurbelten Versen und Liedern zu unterhalten. Der Bund der „Galgenbrüder“ wurde hier von den Berliner Freunden aus der Taufe gehoben. Der Berg heißt noch immer „Galgenberg“, aus dem Restaurant „Galgenberg“ wurde die „Bismarckhöhe“.

Die eingangs genannten „Monatsnamen“ stammen übrigens aus „Wie das Galgenkind sich die Monatsnamen merkt“ und sind beredtes Zeugnis der Kunst Christians Morgensterns. Zu dieser Zeit lebte der aus Bayern stammende Dichter, Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Bevor er mit 42 Jahren an der ihn zwanzig Jahre immer wieder quälenden Tuberkulose starb, schrieb der Zeit seines kurzen Lebens immer Rastlose aber nicht nur die 1905 erschienenen „Galgenlieder“, die der komischen Lyrik zugeordnet werden und große Erfolge feierten.

Rund 50 Gedichte für Kinder waren es am Ende, bereits 1895 erschien sein erstes Buch „In Phanta’s Schloss“, es folgten viele weitere Veröffentlichungen. Der faszinierende Sprachkünstler und Meister der kleinen Form Morgenstern war viel mehr als nur ein Humorist. Auch wenn seine ernsteren, teils philosophischen Werke nicht so erfolgreich waren, verdienen und erhalten sie ebenso große Beachtung und wurden und werden in viele Sprachen übersetzt. Heute kommt kaum eine Lyriksammlung ohne ihn aus, gleich drei Gedichte von Morgenstern wählte der große Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki für seine „100 Gedichte des Jahrhunderts“.

Zum 100. Todestag des Dichters am 29. März wurde das Christian Morgenstern-Literaturmuseum 2014 in Werder (Havel) eröffnet. Der Arbeit des Vereins Freundeskreis Bismarckhöhe und letztlich auch der Witwe Margareta Morgenstern ist es zu verdanken, dass es im Museum eine umfassende Sammlung von Bucheditionen von, mit und zu Christian Morgenstern gibt. Zudem sind Tonträger, Grafiken, Werbematerialien und weitere Devotionalien mit Bezug auf Leben und Werk Morgensterns zu bewundern. Margareta Morgenstern, die ihren Mann unermüdlich pflegte und um Jahrzehnte überlebte, engagierte sich überaus verdienstvoll um die Bewahrung und Verbreitung des reichen literarischen Erbes.

Seit 2017 gehört das Morgenstern Literaturmuseum zur „Märkischen Dichterstraße“. Seit 2018 gibt es die in Werder (Havel) gegründete Christian-Morgenstern-Gesellschaft.