Werder macht Computerspiele - und liest trotzdem auch Bücher

Wohin mit der Energie, die sonst in den Vereinssport, in Zumba, Hantelbank oder Cardiotraining fließt? Wir wäre es mit E-Sport?

Heute beim Einkaufen habe ich - aus gebührender Entfernung - nacheinander drei Werderaner gefragt, ob sie E-Sport kennen. „Iieeehsport - was ist das denn“? Keiner der drei Befragten wusste es. Nein, das hat ganz und gar nichts mit einem Ekel-iieeehhh-Ausruf zu tun, vielleicht habe ich auch einfach nur die Falschen gefragt, denn es gibt in unserer schönen Stadt viele Menschen, die sich mit E-Sport beschäftigen.

Anfang des Jahres hat sich hier sogar ein entsprechender Verein gegründet. Der in Werder (Havel) gegründete „Brandenburger E-Sport Team Verein“ will aber nicht einfach nur „daddeln“, „zocken“, „gamen“, nein, er möchte unter seinem Motto „Gemeinsam spielen, Sucht bekämpfen“ die Spieler aller Altersstufen auch anleiten, besser zu werden.

Und wer hätte das gedacht, obwohl die Szene in Deutschland noch relativ klein ist, können sehr erfolgreiche Spieler vom E-Sport sogar recht gut leben. Ähnlich wie bei Sportveranstaltungen werden die Turniere live vor Zuschauern gespielt - derzeit allerdings nicht, da messen sich die Spieler ausschließlich online.

Es gibt viele Fußball-Bundesligavereine, die inzwischen eigene Abteilungen für die „Zocker“ haben. Zudem wird auch schon in einer eigenen E-Sport Bundesliga gespielt. Die DeSBL ist eine der größten rein deutschsprachigen Online Plattformen in Bezug auf E-Sport-Ligen und Turniere.

„Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten - wir können unsere im Verein spielenden Mitglieder aber gezielt unterstützen“, verweist Gregory Gosciniak, Vereinschef und -gründer auf
den Vorteil, dass damit eine Vereinsamung ausschließlich für sich spielender Jugendlicher und Erwachsener vermieden werden kann. „Wer einsam spielt, kann süchtig werden.“

Wegen des Corona-Virus’ gibt es ja zurzeit keine sportlichen Vereinsaktivitäten, dabei sind die Werderaner doch ein so bewegungsfreudiges Völkchen, wie die Anzahl und auch die Vielfalt der
Vereine im Stadtsportbund beweisen. Doch Sportplätze und Turnhallen sind geschlossen. Auch die Fitness-Studios dürfen nicht öffnen.

Wohin also mit der Energie, die sonst allgemein in den Vereinssport oder speziell in Zumba, Hantelbank oder Cardiotraining fließt? Und wie beschäftigt man die Kinder und Jugendlichen zu Hause einigermaßen sinnvoll?

Neben einem guten Buch, der immer aktuellen Gesellschaftsspiele, gemeinsamer Koch- und Backaktionen und Stuben-Sport darf es dann vielleicht auch mal etwas länger am Computer oder der Konsole sein. Natürlich bitte immer altersgerecht und trotzdem zeitlich begrenzt!

(Text: Ellen Fehlow)